Schützengilde

Wenn auch das Jahr 1655 als Gründungsjahr der Gilde angenommen wurde, ist die Schützengilde bedeutend älter. Dies geht aus einem gräflichen Schreiben vom 24. April 1830 an den Schützenältesten hervor:

„Wenn demnach die Stadt und ihre Schützengesellschaft bereits zwei und ein halbes Jahrhundert sich unter meinem Protectorat befunden hätten und so Gott will noch Jahrhunderte hindurch bestehen wird“.

So dürfte die Gründung bereits um 1580 erfolgt sein. Dies bestätigt auch eine Urkunde der Stadt Lübbenau vom 7. September 1618 Von den Schulenburgischen Creditoren Verordnete Bevollmächtigte über das Guth Lübbenau.

„Sommerzeit soll den Bürgern am Sonntage ein Scheibschießen vergönnt sein. Doch das an Ort und Stelle, ob sich keines Schadens zu befahren vorgenommen werden“

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges war es auch in unserer kleinen Ackerbürgerstadt notwendig geworden, sich vor herumziehenden Gesindel und Soldaten zu schützen, die plündernd und raubend die Städte und Dörfer heimsuchten.

Die Schützengilde ist wie im Jahre 1653 mit einem Privilegium vom Kurfürsten Johann Georg dem I von Sachsen ausgestattet worden, gleich den Städten des Markgrafenthums Niederlausitz, damit „in Stadt und Land Unheil und Übel abgewendet, hingegen viel Nutzen und Frommen dem gemeinen Wesen geschaffen würden“.

Aus diesem Grund wird dem Städtlein Lübbenau die Begnadigung des jährlichen Scheib- und Vogelschießens zur fleißigen Übung belassen. Eine Satzung von 39 Artikeln folgt.

Durch den Grafen Johann Siegismund zu Lynar , unserem damaligen Schlossherren, wurde der Gilde das Privilegium am 24. Juni 1655 überreicht.

Zunächst im militärisch – disziplinierten Sinne wirkend, entwickelte sich die Gilde immer mehr zu einer Einrichtung, die vorwiegend die Geselligkeit förderte. Die durchgeführten Schützenfeste bereicherten dann auch zunehmend das bürgerliche Leben in unserer Stadt.

Trotzdem achtete die Schützengilde strengstens auf die Einhaltung der standesherrschaftlichen Schützenordnung. Für die Zeit von 1655 bis 1770 geben die vorhandenen Akten keine nennenswerten Erkenntnisse über die Abläufe bzw. Tätigkeiten der Gilde, bis auf die Listen zur Haussteuerbefreiung der Schützenkönige.

1770 müssen in der Gilde manche Unzuträglichkeiten geherrscht haben. Der Schützenkapitän Johann Gottlob Petersen stellt am 2.März 1770 einen Antrag auf Satzungsänderung, „um in Zukunft bessere Ordnung halten zu können“.

Diese bestand aus 9 Punkten und beinhaltete zum Beispiel:

Unpünktlichkeiten, nicht erscheinen beim Ummarsche,

Um diese Punkte zu untermauern forderte er, Strafgelder zu erheben.

Obwohl Kriege auch von der Schützengilde ihren Tribut forderten, um städtische Schulden abzudecken, ging die Entwicklung weiter, so dass man schon in einem Reisebericht von 1797 lesen konnte, das in Lübbenau das Schützenfest 8 Tage gefeiert wird und in der ganzen Umgebung berühmt ist. Aus dem Jahre 1830 gibt es eine ähnliche Notiz, welche besagt, dass das Schützenfest als größtes Volksfest in der Stadt begangen wird. Vermutlich hat das wohlschmeckende Bier, welches in Lübbenau gebraut wurde, dazu beigetragen. Das Lübbenauer Bier wurde schon 1752 beim Pfingstschießen in Lübben erwähnt, als man 8 halbe Tonnen Lübbenauer Bier aus der Gildenkasse bezahlt.

Aber auch die Ernte des ersten frischen Gemüses wie Lauchzwiebeln und Gurken um diese Zeit und das damit verbundene Einkommen der Ackerbürger wirkte sich günstig auf den Verlauf des Schützenfestes aus.

Der Höhepunkt des Festes war immer im Schützenhaus und im umgebenden Garten.

Die Schützenwoche (erste Juliwoche) war geprägt durch Ummärsche, die durch die Strassen der Altstadt führten und durch Tanzveranstaltungen im Schützenhaus und im Hotel Deutsches Haus am Markt bereichert wurden. Darüber hinaus gab es gesellige Abende beider Kompanien.

Auf dem Platz vor dem Schützenhaus gab es Volksbelustigungen aller Art in Form von Karussels, Riesenrad, Luftschaukel, Schießstände, Würfel- und Losbuden und vieles andere mehr.

Der Ummarsch erfolgte vom Markt aus. Dazu gab es folgende Ordnung:

  1. die Musik
  2. die Scheibe
  3. die Könige, geführt von den Ältesten
  4. der uniformierte Teil der Gesellschaft
  5. der nicht uniformierte Teil derselben

Es sollen in der Gesellschaft ein Commandeur, ein Adjudant, auf je 24 Schützen ein Offizier, ein Feldwebel, auf je 12 Schützen ein Unteroffizier sein.

Bis 1914 wurde das Schützenfest in althergebrachter Tradition gefeiert, lediglich das Statut wurde bis zu dieser Zeit fünfmal den Gegebenheiten angepasst oder abgeändert.

Während des I. Weltkrieges fanden keine Schützenfeste statt. Erst 1919 wurden die Schützenfeste weitergeführt.

Der erste Weltkrieg hinterließ seine spürbaren Spuren, auch in Lübbenau, die Stadt erlitt zwar keine Zerstörungen, aber viele Schützenkameraden waren gefallen. Auch die Nachkriegszeit und die nachfolgende Inflation wirkten sich nicht günstig auf das Gildeleben aus.

Die Schützenfeste verliefen nicht immer reibungslos, so z.B. am 9. Juli 1922:

„Einige auswärtige Teilnehmer des gleichfalls an diesem Tage hier abgehaltenen Festes des Radfahrbundes „Solidarität“ begaben sich in den Abendstunden auf den Schützenplatz und bald kam es zwischen ihnen und einigen Schützen wegen einiger von den Radfahrern gegen die Schützen ausgesprochener beleidigender Äußerungen zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf die Radfahrer von einem Nichtmitglied der Schützengilde tätlich angegriffen wurden.

Nach kurzer Zeit erschienen nun mehrere mit starken Knüppeln bewaffnete Radfahrer auf dem Schützenplatz und bald begann eine wüste Schlägerei, wobei einige Schützen nicht unerheblich verletzt wurden. Dem Eingreifen der Polizei gelang es nicht, die Aufgeregten zu beruhigen, so das, um den Zwischenfall beizulegen, der Vorsitzende des hiesigen Gewerkschaftskartells mit beiden Parteien zu verhandeln begann und auch eine Einigung erzielte.“

1923 fiel das Schützenfest wegen der herrschenden Inflation aus. So wies der Kassenbestand der Jägerkompanie im Jahr 1922 einen Bestand von 1.765,00 Mark auf. Dagegen gab es im Jahr 1923 einen Bestand von 262.594.320,00 Mark. Das Einschreibegeld betrug im Januar noch 10,00 Mark und im April schon 20.000,00 Mark. Die Steuern für das I. Quartal lagen bei 64.000,00 Mark.
Im Vergleich dazu kostete ein Brot im November 1923 satte 260 Millionen Mark.

Wegen der verheerenden Überschwemmungen und ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse im Juli 1926 wurde eine außergewöhnliche Generalversammlung einberufen, auf der beraten wurde ob ein Schützenfest stattfinden sollte oder nicht. Wegen der Befürchtung größerer Regressansprüche von Seiten der Schaubudenbesitzer wurde beschlossen ein Fest abzuhalten, jedoch in vereinfachter Form, das hieß „ohne Festessen“.

Ein Kleinkaliberstand wurde im Jahr 1934 eingeweiht, wo Frauen bis 1939 ebenfalls die Königswürde erringen konnten.
Die erste Königswürde erhielten Frau Tischlermeister Hopka und Frau Großhändler Philipp. 1939 wurde es Fräulein Elisabeth Schmidt.

Als 1933 der Nationalsozialismus an die Macht kam, begann ein Prozess dem sich keine Gilde entziehen konnte; die Unterordnung unter die neuen Machtverhältnisse in Deutschland. Trotzdem wurden die Schützenfeste so gut es ging in alter traditioneller Form und Ausgestaltung weitergeführt.

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde die Durchführung von Traditionsveranstaltungen auch in der Schützengilde immer schwieriger.

In den Jahren des II. Weltkrieges wurden keine Schützenfeste als solche abgehalten, lediglich das Königsschießen auf die Adler- und die Tellerscheibe wurde durchgeführt, der letzte Schützenkönig auf die Adlerscheibe wurde am 9. Juli 1944 Gustav Lier und auf der Tellerscheibe am 16. Juli 1944 Paul Sieblitz.

Die letzen Neuaufnahmen in die Reihen der Schützengilde waren Kurt Krüger am 11. Juli 1943 und Walter Krügermann am 18. Mai 1944. Die schlimmsten Zeiten erlebte die Schützengilde während des Krieges; viele Schützenkameraden waren umgekommen oder blieben vermisst. In Jahre 1945 erfolgte das Verbot unserer Schützengilde zu Lübbenau.